Kurdische Frauen Kulturtage Berlin – Die Frauenrevolution verteidigen!
Frauenwiderstand, Kultur und Solidarität im Mittelpunkt. Angesichts der bedrohlichen Lage in Rojava und Rojhilat setzen kurdische Künstlerinnen und Aktivistinnen ein kraftvolles Zeichen. Das Programm umfasst eine Ausstellung, Workshops, Filmen, Diskussionen, Folklore, traditionellem Gesang und der großen Demonstration am 8. März, dem feministischen Kampftag.
Die Frauenrevolution steht unter Angriff.
Wir verteidigen sie, hier in der Diaspora, gemeinsam!
PROGRAMM
AUSSTELLUNG
Ort: Alte Münze (LOFT), Am Krögel 2, Berlin 10179
Besuchszeiten: Am 28.02. & 01.03.2026, jeweils von 14:00 bis 20:00 Uhr
Vernissage und Eröffnungsfeier:
Am Freitag, den 27. Februar 2026, eröffnen wir um 18:30 Uhr in der Alten Münze die Kurdischen Frauen Kulturtage sowie die diesjährige Ausstellung. Von 18:30 bis 21:30 Uhr feiern wir gemeinsam den Auftakt dieser besonderen Tage. Kommt gerne in traditioneller Kleidung und Tracht.
Die Ausstellung versammelt die künstlerischen Arbeiten kurdischer Künstlerinnen und Aktivistinnen aus verschiedenen Teilen Kurdistans und der Diaspora. Die Werke bewegen sich zwischen Bild, Ton und Video und kreisen um Widerstand von Frauen, Krieg, Exil, Vertreibung, kollektive Erinnerung und feministische Selbstverteidigung.
Die Ausstellung versteht sich als kollektiver Raum, in dem Kunst als politische und feministische Praxis sichtbar wird als Widerstand gegen Krieg und patriarchale Gewalt.
Ausstellende Künstlerinnen & Kollektive der Exhibition sind:
Aylam Abdo · Frauenrat Dest Dan e.V. · Jinwar · Jineolojî · Lava Bayat · Leyla Toprak · Lêlav Omar · Mahin Khodayari · Norhin Al-Hussein · Sholeh Rahmani · Susan Azizi · Vian K. Hussein · Widad Nabi · WJAS · Women Defend Rojava
FrauenRat Dest Dan e.V. wurde Ende der 1990er Jahre zur Unterstützung von vor sexualisierter Folter geflüchteten Frauen gegründet. Von Beginn an verband der Verein rechtliche, soziale und therapeutische Hilfe mit politischer Selbstermächtigung. In den 2000er Jahren entwickelte sich Dest Dan zu einer kulturellen und politischen Plattform für Frauen. Seit 2015 arbeitet der Verein als FrauenRat in einer Ratstruktur mit Fokus auf Bildungsarbeit und Selbstorganisierung.
Jinwar ist ein Ort für Frauen, die ein freies Leben mit anderen Frauen und Kindern führen möchten, für Frauen, die nicht heiraten wollen, für Frauen, die ihre Ehemänner im Krieg verloren haben oder die in ihren Familien Gewalt erleiden mussten.
Jineolojî („Wissenschaft der Frau“) ist ein vom kurdischen Frauenbefreiungsbewegung entwickeltes feministisches Wissens- und Gesellschaftskonzept. Es zielt darauf ab, Geschichte, Gesellschaft und Politik aus einer frauenorientierten Perspektive neu zu denken und patriarchale Wissensstrukturen zu hinterfragen.
Lava Bayat (geboren 1991) ist eine kurdische bildende Künstlerin aus der Stadt Kobanê, wohnhaft in Berlin. Sie hat Betriebswirtschaft (BWL) studiert und arbeitet in den Bereichen Textil-Collagen, abstrakte Malerei und handgefertigte Kunstwerke. Sie hat an zahlreichen Kunstausstellungen teilgenommen, und ihre Praxis reicht von zeitgenössischer Malerei bis hin zur Arbeit mit textilen Materialien in vielfältigen visuellen Ansätzen.
Leyla Toprak is a Kurdish film director, writer, and interdisciplinary artist known for her short films and documentaries that explore Kurdish cultural resistance, identity, and survival through movement and performance. She will take part in the exhibition with two of her short movies. „The Flowery Scarf“ and „Distant“.
Mahin Khodayari ist eine Musikerin und Medienkünstlerin aus den kurdischen Gebieten im Nordwesten Irans und lebt derzeit in Berlin. Sie studierte Medienkunst und Design in Weimar und spielt seit ihrer Jugend Tanbur.
Sholeh Rahmani wurde in Sanandaj (Kurdistan, Iran) geboren und wuchs in enger Verbindung zur Natur auf, die bis heute eine zentrale Inspirationsquelle ihrer Kunst ist. Sie studierte Grafikdesign, arbeitete als Designerin und Lehrerin und stellte ihre Arbeiten in Iran und Irak aus.
Vian K. Hussein ist eine kurdische Künstlerin und Interior Designerin, die mit Mixed Media, Textil, Skulptur und Malerei arbeitet. In ihrer Praxis setzt sie sich mit Erinnerung, Identität und kultureller Weitergabe auseinander und würdigt insbesondere die Rolle von Frauen als Trägerinnen von Geschichte und Widerstand. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem in Manchester und Amsterdam, und bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst, Aktivismus und Storytelling.
Widad Nabi ist eine kurdisch-syrische Lyrikerin und Autorin. In ihren Texten verbindet sie persönliche Erfahrungen mit Themen wie Exil, Krieg, Erinnerung und weiblicher Widerstandskraft. Ihre Gedichte sind international veröffentlicht und thematisieren insbesondere die Perspektive von Frauen im Kontext von Flucht und Konflikt.
Women Defend Rojava ist eine internationale Solidaritätskampagne, die die Frauenrevolution in Nord- und Ostsyrien unterstützt. Das Netzwerk macht auf die Selbstorganisierung von Frauen, basisdemokratische Strukturen und die Bedrohung durch militärische Angriffe aufmerksam und organisiert weltweit politische Bildungs- und Mobilisierungsarbeit.
WORKSHOP I – Revolutionäre Bildung & kollektive Selbstermächtigung
—-AUTONOM NUR FÜR FRAUEN—–
Was wir unter den Begriff „Frau“ verstehen
Referentinnen: HINARA e.V.
Ort: Alte Münze (LOFT), Am Krögel 2, Berlin 10179
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Info: Ausstellung läuft auch von 14-20 Uhr an diesem Tag parallel
HINARA e.V. ist eine bundesweit vernetzte Selbstorganisation junger Frauen aus der SWANA-Region. Der Verein engagiert sich in kritischer Bildungsarbeit zu Geschlechtergerechtigkeit, Migration, politischer Teilhabe und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Ziel der Arbeit von HINARA e.V. ist es, kollektive Bildungsräume zu schaffen, die Hierarchien abbauen, vielfältige Wissensformen sichtbar machen und junge Frauen in ihrer politischen und gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit stärken. Gemeinsam möchten wir uns uns pädagogischen Ansätzen in revolutionären Kontexten und Bewegungen die die Frau als Akteur*in zentrieren widmen.
Im Workshop widmen wir uns pädagogischen Ansätzen in revolutionären Kontexten und Bewegungen, die Frauen als Akteurinnen zentrieren. Anhand von Beispielen aus Rojava (Jineolojî) sowie aus feministischen Bewegungen im Iran und Afghanistan diskutieren wir Bildung als Teil von Selbstermächtigung.
Gemeinsam fragen wir:
Inwiefern kann eine freiheitliche Pädagogik zur Freiheit der Frau beitragen?
WORKSHOP II – Kultur, Selbstverteidigung & junge Frauenbewegung
Gestaltet von: Jinên Ciwan Berlin
Ort: Alte Münze (LOFT), Am Krögel 2, Berlin 10179
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Info: Ausstellung läuft auch von 14-20 Uhr an diesem Tag parallel.
Im Rahmen der Kulturtage gestalten wir einen besonderen Tag. Im Mittelpunkt steht die Frau als Trägerin, Bewahrerin und Gestalterin kurdischer Kultur. In kreativen Workshops besticken wir traditionelle Tücher und gestalten Kulturschmuck wie Nelkenketten, Schutztalismane (z.B. Nazar) und Perlenschmuck. Dabei setzen wir uns mit der Symbolik von Farben, Mustern und Formen auseinander.
Gleichzeitig schlagen wir eine Brücke zu den aktuellen Kämpfen und Errungenschaften von Frauen in Rojava und Rojhilat, wo Frauenbewegungen neue gesellschaftliche Perspektiven entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt auf Selbstverteidigung der Frau. Wir möchten Raum schaffen, um über Selbstbestimmung, Widerstand und Solidarität zu sprechen und diese Werte auch kreativ sichtbar zu machen. So verbinden wir kulturelles Erbe mit einem lebendigen, emanzipatorischen Anspruch junger kurdischer Frauen heute.
Über Jinên Ciwan Berlin:
Jinên Ciwan Berlin ist eine junge kurdische Frauenstruktur, die für gemeinschaftliches Engagement, Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit steht. Ihre Arbeit verbindet politische Haltung mit kulturellem Bewusstsein und setzt Impulse für solidarisches Handeln.
GOVENDA KURDÎ – Kurdische Folklore aus Frauenperspektive
Ort: Kiezraum, Mehringdamm, 10963 Berlin
Datum: 04.03.2026
Uhrzeit: 18:30 Uhr
Jinên Koma Feraşîn û Delîl Ciyager laden zu einem besonderen Govend-Abend ein, der kurdische Tanzkultur aus Frauenperspektive in den Mittelpunkt stellt. Nach einer Begrüßung und einem politischen Input zur aktuellen politischen Lage und der Bedeutung kultureller Praxis folgen Tanzbeiträge aus verschiedenen Regionen: von Kocgirî und Agirî über Riha und Hesekê (Rojava) bis Başûr, Şengal und Rojhilat. Traditionelle Kleidung, Musik und regionale Symbole werden als Ausdruck kollektiver Identität und Erinnerung sichtbar.
Der Abend endet mit einem gemeinsamen Govend, Austausch und dem Ruf: Jin Jiyan Azadî!
Hunera Mizgîn ist eine kulturelle und künstlerische Fraueninitiative.
Sie hat das Ziel, die künstlerische Produktion von Frauen sowie ihre Solidarität und Sichtbarkeit im Kunst- und Kulturbereich zu stärken. Der Abend wir wird durch die Frauen der Folkloregruppen Koma Feraşîn und Koma Delîl Ciyager aus Berlin durchgeführt. Sie sind Teil von Hunera Mizgîn.
Siyaçemane Hewraman & Dengbêj
Ort: Kiezraum, Mehringdamm 10963 Berlin
Datum: 06.03.2026
Uhrzeit: 18:30 Uhr
Çirîke Hewramî & Elham Hamedi
Şîwa Rehmanî, bekannt als Çirîke Hewramî, stammt aus Dizlî im Bezirk Hewraman (Kurdistan). Trotz des damaligen Singverbots für Frauen verfolgte sie entschlossen ihren musikalischen Weg. Sie engagiert sich in Konzerte in Başûr, sing auch Kinderlieder und trat mit dem Ensemble Kavok in Europa auf. Heute lebt sie in Berlin und hat mit zwei kurdischen Musiker*innen Samal Ensemble gegründet und ist als Sängerin bei Samal Ensemble tätig.
„Siyaçemane Hewraman“ ist ein traditioneller kurdischer Gesangsstil aus der Region Hewraman. Es handelt sich um einen alten, meist gefühlvollen und oft ohne musikalische Begleitung vorgetragenen Gesang, der zur kulturellen Tradition dieser Region gehört. Çirîke Hewramî & Elham Hamedi werden begleitet von der Samal Gruppe.
Herdem Güngör & Delal Sarpkaya
Dengbêj ist eine traditionelle kurdische Erzähl- und Gesangskunst, in der Geschichten, Trauer, Widerstand und kollektive Erinnerungen weitergegeben werden. Dengbêj ist eng mit der Erfahrung von Frauen verbunden: Als Ausdruck ihrer emotionalen und sozialen Wirklichkeit verkörpert die weibliche Dengbêj zugleich Widerstand, Identität und die Bewahrung kulturellen Wissens.
An diesem Abend stehen zwei Frauen als Dengbêj auf der Bühne und setzen ein Zeichen für kulturelle Selbstbehauptung und gelebten Widerstand.
Wir laden euch herzlich dazu ein, zusammen mit uns zu singen und am Ende des Abends zu tanzen!
FILMABEND
Ort: Kiezraum, Mehringdamm 10963 Berlin
Datum: 07.03.2026
Uhrzeit: 18:30 Uhr
Fragerunde in Englisch
Stêrka Li Ser Xetê (Star on the Border)
Regie: Berivan Saruhan
Sprache: Kurmancî mit englischen und türkischen Untertiteln
Länge: ca. 20 Minuten
Berivan Saruhan was born in Mardin, Kurdistan. She graduated from the Department of Kurdish Language and Literature at Mardin Artuklu University in 2017 and is currently pursuing her master’s degree at the same university. She has worked both as a volunteer and professionally in various NGOs focusing on issues of migration and violence against women. Stêrka Li Ser Xetê is her first documentary film
„Stêrka Li Ser Xetê“ ist ihr erster Dokumentarfilm.
GotûbêJin
Regie: Hevi Nimet Gatar
Länge: ca. 46 Minuten
Mehrsprachig (Kurdisch, Türkisch, Arabisch) mit englischen Untertiteln
Hevi Nimet Gatar is a Kurdish filmmaker and sociologist whose feminist documentary GotûbeJin premiered in 2024. She researches gender and masculinity in Kurdish cinema and is currently a PhD student in sociology at EHESS Paris.
GotûbêJin documents traveling women-only film screenings in Kurdish towns, where films became a starting point to discuss patriarchy, masculinity, and women’s experiences. Through conversations and dengbêj songs, the documentary centers women’s voices and critiques of gender roles.
There will be a Q&A at the end, language English.
8. MÄRZ – FEMINISTISCHER KAMPFTAG
Widerstand flechten – Patriarchat zerfetzen
Autonome FLINTA-Demonstration*
Start: 14:00 Uhr, Alexanderplatz
Ende: Rosa-Luxemburg-Platz
Am Feministischen Kampftag gehen wir gemeinsam auf die Straße. Für eine Welt ohne Gewalt, ohne Ausbeutung, ohne Krieg. Für Gerechtigkeit statt Unterdrückung.
Für ein gutes Leben für alle.
Wir flechten Frieden, zwischen Communities, Generationen und Widerständen.
Und gleichzeitig entgegen der Gewalt des Patriarchates, das tagtäglich in unseren Köpfen, in den Institutionen, in den Verhältnissen lebt, schaffen wir eine Gesellschaft ohne sexualisierte und häusliche Gewalt, ohne Lohnungleichheit, ohne Rassismus und kapitalistischer Ausbeutung.
Denn der Weg zum Frieden bedeutet nicht alleine die physische Abwesenheit von Krieg, sie bedeutet Ni Una Menos, sowie Jin Jiyan Azadî und ein würdevolles Leben für alle.
Symbolisch endet unsere Demonstration am Rosa-Luxemburg-Platz, denn der 08. März ist nicht nur seit kurzer Zeit ein Feiertag in Berlin, sondern ein Tag der politischen Haltung, vereint im Kampf gegen das Patriarchat und auf dem Weg grenzenlosen Friedens.
Wir danken allen, die uns unterstützt haben, sowohl finanziell, als auch organisatorisch oder solidarisch. Die Mittel aus dem Crowdfunding fließen vollständig in die Umsetzung der Kurdischen Frauen Kulturtage.
Alle Einnahmen aus den Verkäufen während der Kulturtage werden wir an Hilfsorganisationen in Kurdistan weitergeben.
Unser besonderer Dank gilt den Kollektiven und Künstlerinnen, die diese Tage durch ihre Solidarität möglich machen. Hinter dieser Veranstaltung stehen viel Kraft, Zeit und ehrenamtliche Arbeit aus politischer Überzeugung. Diese Arbeit verstehen wir als Form kollektiver Selbstverteidigung.
Jin Jiyan Azadî!
Cênî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden, Frauenverein Dest Dan e.V., Jinên Ciwan Berlin, Hunera Mizgîn, KJAR – Gemeinschaft der freien Frauen von Rojhilat.
Was wir unter dem Begriff „Frauen“ verstehen:
Wenn wir uns die Krisen und Kriege dieser Welt anschauen, sehen wir, dass Frauen spezifischen und systematischen Angriffen ausgesetzt sind, wegen ihres Frau-Seins. Aber wir sehen auch, dass Frauen weltweit eine große Kraft haben, um Widerstand zu leisten und gesellschaftliche Alternativen zum patriarchalisch-militaristischen System zu entwickeln. Trotz unserer sehr unterschiedlichen Hintergründe, Geografien und Realitäten teilen wir Geschichten von Unterdrückung und Widerstand. Wir stützen uns auf unsere kollektive Identität als Frauen, um gemeinsam gegen Krieg und Unterdrückung für ein freies und würdiges Leben zu kämpfen. Deshalb ist „Frau“ für uns nicht ein klassischer biologischer und eng definierter Begriff, sondern unsere gemeinsame Suche nach dem, was es bedeuten kann, uns gemeinsam als Frauen und andere unterdrückte Geschlechter vom Patriarchat zu befreien. Alle Menschen, die sich mit dieser Suche identifizieren, sind bei diesem Workshop willkommen.
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