Feminizid

Unter Feminizid verstehen wir die Morde an Frauen* und Mädchen aus frauen*feindlichen Motiven. Diese Morde können in Beziehungen oder im sozialen Umfeld stattfinden. Feminizide, aber treten auch in Folge von ökonomischer Ungleichheit auf, die sich in struktureller geschlechtlicher Ungleichheit zeigt. Was auf staatlicher Ebene und medial nicht gleichermaßen berichtet wird, sind Feminizide, die in Kriegen verübt werden. Sie kommen im Zuge von staatlicher oder gesellschaftlicher Bevölkerungskontrolle und Gewalt vor. Sie sind ein strukturelles Problem und notwendiger Bestandteil eines patriarchalen Systems. Feminizide dienen dazu, Frauen* und feminisierte Menschen einer von Cis-Männlichkeit geprägten Logik zu unterwerfen. Mit jedem femizidalen Mord setzen sich die bestehenden Machtverhältnisse erneut durch – und damit auch die Legitimation, Frauen* und feminisierte Menschen zu unterdrücken, zu kontrollieren und auszubeuten.

In seiner Prägung verweist „Feminizid“ als Begriff – anders als „Femizid“ – auf die politische Verantwortung des Staates hinsichtlich dieser Morde und patriarchaler Gewalt. Das staatliche Versagen tritt auf unterschiedlichen Ebenen zu Tage. Hier einige Beispiele:

  • In Deutschland und in vielen anderen Ländern gibt es keinen offiziellen Straftatbestand, der Feminizide verurteilt. Oft kommt es nicht einmal zur Anklage und Verurteilung wegen Mordes, sondern lediglich wegen Totschlags. Damit bleiben die Logik und die strukturelle Verankerung des Problems sowie seine politische Dimension unsichtbar.
  • Strukturen zur Prävention, sowie zur akuten Hilfe und zum Schutz bei patriarchaler Gewalt, sind chronisch unterfinanziert und Mangelware. Es gibt seit Jahrzehnten nicht genug Frauenhausplätze.
  • Oft häufen sich Vergewaltigungen und Feminizide in bewaffneten Konflikten und Kriegen. Dies ist eine Kriegsstrategie, die Bevölkerung über die Körper von Frauen und Mädchen anzugreifen und zu schwächen. Die Tatsache, dass hier nicht in militärische Strukturen eingegriffen wird, um solche Kriegsstrategien zu verhindern, ist staatliche Schuld bzw. Mitschuld.

Gewalt bildet den Kern patriarchaler Gesellschaften. Heute zeigt sie sich in verschiedenen Formen, in brutalen Kriegen bis zu perfektionierter Manipulation, die kapitalistische Staaten und internationale Organisationen, Konzerne und Banken, Kirchen und Stiftungen sowie manche Nichtregierungsorganisationen und Individuen ausführen.

Selbstverteidigung – Unter dem Begriff „Feministische Selbstverteidigung“ verstehen wir, unsere Existenz als Frauen*, Mädchen und feminisierte Personen gegen die patriarchale Herrschaftsordnung zu verteidigen. Es geht darum, für uns einzustehen, uns selbst zu verteidigen und die Fähigkeiten dazu zu erlernen. Es bedeutet auch, die Gesellschaft gegen Feminizide zu verteidigen. Dazu kämpfen wir für gesellschaftliche Veränderungen, gegen strukturelle Gewalt und für eine stärkere Gemeinschaft. Jeder
Feminizid dient dazu, patriarchale Herrschaftsverhältnisse aufrechtzuerhalten und die Gesellschaft anzugreifen. Feministische Selbstverteidigung leistet einen wichtigen Widerstand dagegen.

Zur feministischen Selbstverteidigung gehört zum Beispiel:
Organisierung → Eine Gruppe gegen Feminizide gründen, sich mit Freund*innen zusammenschliessen,
sich international austauschen und vernetzen, autonome FLINT*-Strukturen aufbauen, um Solidarität und Ermächtigung zu stärken, sich einer revolutionären und feministischen Organisierung anschließen, einen Verein für ein Frauenschutzhaus gründen.

Frauenverteidigungsstrukturen in Kurdistan verteidigen die Gemeinschaft gegen die faschistischen Angriffe der Türkei und Daesh („IS“) erfolgreich und verändern die patriarchale Mentalität in ihrer Gemeinschaft grundlegend. Es gibt die konkreten Momente der Verteidigung bei einem Angriff auf ein Dorf. Und es gibt langfristige Arbeiten zur Veränderung der patriarchalen Mentalität.

Feministische Bewegungen auf der ganzen Welt haben längst erkannt, dass es kollektive Selbstverteidigung als Antwort auf Feminizid vor allem in autonomer und selbstorganisierter Weise braucht. Daher wurde dieses Toolkit von feministischen Gruppen entworfen – um das Wissen feministischer Bewegungen im deutschsprachigen Raum zu kollektiven Selbstverteidigungsarbeiten gegen Feminizid zusammenzutragen. Lies bitte weiter, indem du das Toolkit runterlädst. Lerne wie du dich selbstverteidigen und organsieren kannst und warum das so wichtig ist. Mit dem Toolkit lernst du, wie du einen Feminizid bennen und was du dann dagegen tun kannst.

Das Toolkt ist im Rahmen des Projekts „Vernetzung gegen Femnizid“ und durch die Förderung der Bewegungsstiftung und UTAMARA e.V. enstanden.


Die bundeweite Vernetzung gegen Feminizide wird aktuell von Dest Dan und Cenî fortgeführt und durch die Bewegungsstiftung geförtdert

„Drei Organisationen wollen gemeinsam ein Netzwerk gegen Feminizide aufbauen: Dest Dan ist eine von Migrantinnen und Geflüchteten als Frauenverein begründete Selbstorganisierung. Neben der lebenspraktischen, sozialen Unterstützung ist für Dest Dan die Ermöglichung eines politischen Austauschs sowie der öffentliche Ausdruck des politischen Willens wichtig. Dabei wirkt DestDan vor allem in der kurdischen community in Berlin, aber auch darüber hinaus. Das Kurdische Frauenbüro Cenî wurde im Mai 1999 von in Europa lebenden kurdischen und türkischen Frauen mit dem Ziel gegründet, die internationale Solidarität von Frauen für Friedensprozesse in der Türkei und Kurdistan, im Mittleren Osten und weltweit zu stärken. Friedensengagement bedeutet für sie: Einsatz für eine freie und ökologische Gesellschaft, die auf sozialer Gerechtigkeit beruht und eine Alternative zum patriarchalen Herrschaftssystem darstellt. Unsere Vernetzung gegen eure Morde ist eine überregionale Vernetzung gegen Feminizide im deutschsprachigen Raum.“